Spritzige Erdbeermarmelade für heisse Sommertage

Erdbeer-Prosecco Marmelade

An einer Dissertation zu arbeiten ist ein seltsames Unterfangen: Phasenweise geht gar nichts, man sitzt rum, liest, versucht zu schreiben, zu denken und da ist nur ein grosses Durcheinander, ein Meer von unfertigen Ideen und ungeprüften Vermutungen, von Bauchgefühlen und nicht zu vergessen, tausende von zu lesenden Bücher und Artikel. Es ist dabei sehr leicht den Mut zu verlieren und teilweise möchte man am liebsten den Kopf in den Sand stecken. In anderen Phasen ist es aber unheimlich aufregend: eine Entdeckung folgt auf die nächste, ein Text ist interessanter als der andere, der Austausch mit anderen Forschenden ist stimulierend und die Assoziationen fliessen frei und drängen sich aufs Papier. Man surft auf einer Glückswelle, ist von unstillbarer Neugierde getrieben. An einer Dissertation zu arbeiten ist also, für mich zumindest, ein Wechselbad der Gefühle, eine ständige Achterbahnfahrt. Dies erklärt vielleicht teilweise, weshalb es mir schwer fällt, diesen Blog etwas regelmässiger zu führen…

Erdbeeren

Andererseits war die Unregelmässigkeit meiner Posts ja schon vorprogrammiert, als ich den Titel “Unausgewogen” wählte! So ist es eben bei mir, chaotisch aber genussvoll. Und jetzt zu den Erdbeeren. Ich hab ja letztens eine Folge “Das perfekte Dinner” gekuckt, in der jemand keine Erdbeeren mochte. Das hat mich zutiefst schockiert: wie kann man Erdbeeren nicht mögen? Erdbeeren sind schon mal wunderschön. Diese Farbe! Diese Form! Und sie schmecken lecker nach Erdbeeren. Irgendwie gibt es keine vernünftigen Argumente Erdbeeren zu mögen. Aber es gibt bestimmt auch keine vernünftigen dagegen. Ha! Und wer Erdbeeren mag, sollte Erdbeermarmelade lieben. Gute Erdbeermarmelade ist süss, aber nicht zu süss, fruchtig, vielleicht sogar einen Hauch säuerlich. Und sie ist nicht zu fest, damit sie mit wenigen Handgriffen und ohne Druck auf den Sonntagszopf gestrichen werden kann.

 Viele Erdbeeren

Und jetzt die schlechte Nachricht: Richtig gute Erdbeermarmelade gibt’s nicht im Supermarkt. Die muss man schon selbst anrühren. Aber die gute Nachricht ist, das geht super easy und nimmt alles in allem nicht mehr als ein Stündchen Zeit in Anspruch. Und selbstgemacht ist sie erst noch viel billiger als gekauft! Erdbeermarmelade machen gehört für mich zum Sommer wie baden im Fluss. Es ist schlicht ein Muss! Denn wie sollte man ohne Marmelade den langen Winter überstehen? Dieses Jahr habe ich mich für eine spritzige Variante mit Prosecco entschieden, weil sich Erdbeeren und Prosecco bekanntlich bestens ergänzen. Wieso dann nicht auch auf dem Frühstücksbrot?

Erdbeersauce

Das Rezept habe ich auf Chefkoch gefunden und habe es ein bisschen an meine Bedürfnisse angepasst. Beispielsweise verwende ich nie Gelierzucker, sondern immer normalen Zucker und füge dafür etwas Bio-Pektin hinzu, z.B. in Form von Unigel (Coop Naturaplan). So kann ich den Zuckergehalt selbst bestimmen, ohne dass die Konsistenz der Marmelade leidet. Das beste an diesem Rezept ist, dass noch genügend Prosecco für ein, zwei Cüpli übrig bleibt… so ist ganz schnell wieder für Entspannug gesorgt!

Marmelade kühlt ab

Auf die Plätze, fertig, Marmelade kochen!

Erdbeer-Prosecco Marmelade

Erdbeer-Prosecco Marmelade
Author: Mimi Vesuvio
Ingredients
  • ca. 9 Marmeladengläser mit neuen (!) Deckeln
  • 1, 5 kg Erdbeeren
  • 500 ml Prosecco (nicht zu trocken, ich habe Clairette de Die verwendet)
  • 1 Packung Geliermittel aus Pektin (z.B. Unigel von Coop Naturaplan)
  • 750g Zucker
Instructions
  1. Gläser mit heissem Wasser ausspülen. Ich lasse sie jeweils bis zur Verwendung in einem mit heissem Wasser gefüllten Becken stehen. Deckel in heissem Wasser kurz abkochen.
  2. Erdbeeren putzen und schneiden. Anschliessend mit dem Pürierstab pürieren (je nach Vorliebe für Stückchen in der Marmelade).
  3. Erdbeerpüree in einen Topf füllen und bei mittlerer Hitze ca. zehn Minuten lang unter Rühren köcheln lassen. Dabei kann der Schaum abgeschöpft werden (ich mache das nie).
  4. Prosecco beifügen und nochmals ca. fünf Minuten köcheln lassen. Zuerst bildet sich sehr viel Schaum, dieser flacht aber nach wenigen Minuten wieder ab.
  5. Geliermittel beigeben und eine Minute köcheln lassen.
  6. Zucker beigeben und noch einmal kurz aufkochen.
  7. Die kochend heisse Marmelade in die Gläser füllen und diese sofort fest verschliessen. Die Gläser auf den Kopf stellen.
  8. Nach ca. 30 Minuten können die Gläser wieder richtig hingestellt und weiter abkühlen gelassen werden. Nach dem Abkühlen sollte sich bei allen Gläsern ein Vakuum gebildet haben, das heisst, der Deckel sollte angesogen worden sein und bei Druck mit der Fingerspitze nicht nachlassen. Sollte dies bei einem Glas nicht der Fall sein, muss es in den Kühlschrank und sofort verzerrt werden.
  9. Haltbarkeit: Die verschlossenen Gläser halten, sofern sie im kühlen Dunkel aufbewahrt werden, ziemlich lange, mindestens 6 Monate. Einmal offen müssen sie im Kühlschrank aufbewahrt werden und sollten rasch aufgegessen werden. Da der Zuckergehalt nicht hoch ist, muss sehr sauber gearbeitet werden. Wichtig ist auch, dass man stets nur mit sauberem Besteck ins Glas sticht. Butterspuren auf dem Marmeladenmesser verursachen sehr gerne Keime!

Apokalyptische Suppe

Leckere Knoblauchsuppe

Ich gebe es zu, ich bin nicht immer sehr geschickt. Es kann schon mal vorkommen, dass ich eine Portion frischgebackener Blondies so enthusiastisch aus dem Blech lösen möchte, dass die ganze Masse am Boden landet. Ich bin auch ziemlich chaotisch. Es kann schon mal passieren, dass ich vor meiner USA-Reise drei Blogeinträge plane, damit der Blog während meiner Abwesenheit weiter gefüttert wird und dann aber vergesse diese hochzuladen. Weil ich ja noch meinen Pass finden musste. Und eine neue Winterjacke brauchte. Weil ich den Wetterbericht angekuckt hatte. Zwei Tage vor meiner Abreise. ABER diesmal war es nicht meine Schuld. Für die raffinierte Knoblauchsuppe mit Garnelen aus dem bereits gepriesenen Kochbuch von Daniel Humm habe ich mir Zeit genommen und viel Ruhe und habe alle Instruktionen bis ins Detail (naja, fast!) ausgeführt.

Leckere Knoblauchsuppe

Und dann kam die Sache mit dem Mixer. Seht ihr, es gibt eine Vorgeschichte. Auf Weihnachten hat mir meine Mutter eine rote Bosch Mum 86 geschenkt und ich liebe sie (sowohl meine Mutter als auch die Mum von Bosch). Sie kann ganz toll Teig kneten und rühren. Und theoretisch kann sie auch mixen. Als es also in Humms Rezept hiess, ich solle jetzt die Suppe in den Mixer geben, gab ich meinem Instinkt, einfach zum Pürierstab zu greifen nicht nach, sondern habe die Gelegenheit ergriffen, endlich die Mixfunktion meiner Küchenmaschine zu testen. Bis hierhin ist doch alles nachvollziehbar, oder? Ich goss also die Suppe voller Vorfreude aufs leckere Essen ins Mixerglas und staunte nicht schlecht, als die gesamte Flüssigkeit unten wieder aus dem Mixerglas raustrat! Wobei “staunen” natürlich ein Euphemismus ist. Es gibt eigentlich gar keine Worte, um mein Entsetzen bei diesem Anblick zu beschreiben. Die schöne Suppe! Der mühevoll abgekochte Knoblauch! Der gute Weisswein!

Leckere Knoblauchsuppe

Es stellte sich heraus, dass der Mitarbeiter bei Fust, der meiner Mutter die Bosch verkauft hatte, ein kleines Detail vergass, als er die Maschine eingepackt hat: Den Dichtungsring für das Mixerglas. Oh welch eine Bedeutung ein dünnes, unscheinbares Gummiband doch haben kann (und das nicht nur beim Kochen…)! Ärgerlich an der Geschichte ist zudem, dass der gute Herr seinen Fehler nicht mal zugeben konnte. Als hätte ich den Dichtungsring mit Absicht nicht eingesetzt!!! Es macht ja Spass Suppe vom Boden aufzukehren. Besonders mit knurrendem Magen.

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What a cake!

Daniel Humms edler Birnenkuchen

Diese Woche war mal wieder eine jener Wochen bei denen man Montagmittag schon hofft es sei gleich Wochenende. Nicht weil es ausserordentlich viel zu tun gab oder weil besonders viel schief lief, einfach weil das Wochenende viel zu kurz war. Beispielsweise konnte ich nur einen der vielen Kuchen backen, die auf meiner Warteliste stehen. Und es hat nicht einmal mehr für ein Chocolate Chip Cookie -Experiment mit Branchli statt Schokostückchen gereicht. Und was hab ich stattdessen gemacht? Ich habe keinen blassen Schimmer.

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Meine Erinnerung an das letzte Wochenende ist vermutlich darum in die Ferne gerückt, weil der einzige Kuchen, den ich backen konnte alles andere in den Schatten gestellt hat. Es handelt sich um Daniel Humms Birnen-Kaffee-Kuchen aus dem fabelhaften Koch- und Bilderbuch “I  ♥ New York”. Dieser Kuchen ist genau das, was man sich zu einem Afternoon Tea oder – wie es der Name schon verspricht – zu einer Tasse dampfendem Kaffee wünscht. Er ist erwachsen und elegant – in Birnenschnaps marinierte Birnen treffen auf eine leicht bittere Kakao-Ingwer-Zimt Mischung um zusammen mit den leicht salzigen Mandelstreuseln ihren vollen Geschmack, in all seiner Komplexität und Würde auszubilden. Weiterlesen

Neustart!

Besänftigender Tee für einen unruhiger Magen

Frohes neues Jahr euch allen! Ich hoffe ihr habt die Festtage inklusive Verwandtschaftsbesuchen und Guetzli -Backmarathons erfolgreich überstanden. Habt ihr gute Vorsätze gefasst? Ich nicht. Irgendwie ist das zwischen Prosecco trinken und Schokolade essen vergessen. Aber ehrlich gesagt ist mein Bedarf an Vorsätzen durch das Arbeiten an meiner Dissertation auch ziemlich abgedeckt. Und in die Falle mir gesünderes Essen und mehr Sport vorzunehmen tappe ich gewiss nicht. Ich will das neue Jahr ja nicht mit Seelenqualen beginnen lassen!

Besänftigender Tee für einen unruhiger Magen

Wenn man sich dieser Tage in der Foodblogosphäre umschaut, so könnte man meinen, es sei kollektiv beschlossen worden nur noch Müesli und Smoothies zu essen bzw. zu trinken. Vielleicht noch die ein oder andere Suppe, aber damit hat es sich. Dem wollte ich eigentlich unbedingt Gegensteuer bieten. Ich dachte an einen saftigen Schokoladenkuchen, einer leckere Crême oder an buttrige Chocolate Chip Cookies.

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Gut rutschen mit Bratapfellikör

Absurderweise habe ich bei der Familie meines Freundes einen Ruf als Einmachfanatikerin. Dabei hab ich jahrzehntelang eigentlich nur eine einzige Konfitüre gegessen: Hagebutten. Alle anderen habe ich aufgrund der darin enthaltenen Fruchtstückchen verschmäht. Denn ich mehr hasse nicht mehr als durchweichte (in der CH haben wir dafür den schönen und viel treffenderen Begriff “pfludrige”) Fruchtstücke.

Bratapfellikör für kalte Wintertage – Zimt für die Seele

Ein Besuch in München hat alles verändert. In einer wunderschönen und winzig kleinen Konditorei hat mich ein Glas “Erdbeer-Rhabarber Marmelade mit Vanille” angelacht. Das ist erstaunlich, schliesslich gibts in Konditoreien auch Kuchen. Und Schokolade. Vermutlich lags an der Vanille, aber ich musste dieses unscheinbare Glas Marmelade haben. Zurück in Zürich haben es mein Freund und ich innerhalb weniger Tage leergegessen. So, so lecker! Und weil wir nicht sofort nach München zurückfahren und Nachschub holen konnten, habe ich mich eben selber ans Werk gemacht und versucht diese Offenbarung im Glas nachzukochen.

Bratapfellikör für kalte Wintertage – Zimt für die Seele

Seither mache ich hie und da mal etwas Konfitüre ein. Frau Glasgeflüster ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Sie macht alles mögliche ein und es sieht auch noch alles super lecker aus. Sie hat mich dazu inspiriert diesen aufgesetzten Bratapfellikör auszuprobieren. Und ich habe es nicht bereut.

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Die Ära der Unausgewogenheit beginnt.

Liebe Leser_innen, darf ich mich vorstellen? Ich bin Mimi Vesuvio. Laut WordPress ist dies mein dreizehnter Anlauf, diesen Einstiegspost zu schreiben. Der erste war vor zwei Wochen. Das spricht weder für meine Entscheidungsfreudigkeit noch für mein Zeitmanagement. Aber hey, alle guten Dinge sind dreizehn! Oder so. Und verglichen mit der Anzahl von Anläufen, die ich gebraucht habe um meine Masterarbeit endlich in die Gänge (und dann noch zu Ende) zu bringen ist das gar nichts.

Das Schreiben dieses Posts fällt mir so schwer, weil er ein Anfang ist. Und wie wir wissen, kann ein Anfang immer auch der Anfang vom Ende sein. Hab ich schon erwähnt, dass ich zu Pessimismus Pragmatismus neige? Da ich vorhabe, künftig hier einen Teil meines Herzbluts zu vergiessen, fürchte ich mich davor, euren Geschmack nicht zu treffen. Denn auch wenn es viele von sich behaupten, ist niemand Allesesser_in. Und das ist auch gut so. Denn auch hier soll es nicht nur darum gehen, was man sich alles auf der Zunge zergehen lassen kann. Es geht auch darum, was wir auf keinen Fall schlucken sollten.

Feministische Gesellschaftsanalysen, Reflexionen über Populärkultur und Erlebnisberichte aus meiner viel zu kleinen Grossstadtküche (sofern Zürich als Grossstadt bezeichnet werden darf) sollen hier künftig nebeneinander, oder vielmehr untereinander stehen. Wieso? Weil es für mich eben zusammengehört. Wer denkt beim Kochen oder Backen nicht über andere Dinge nach? Und wer kriegt beim Nachdenken schon keinen Hunger? Ein weiteres Argument für die Verknüpfung von Feminismus und Essen hat Feminist Foodie auf ihrem Blog sehr schön formuliert:

how do feminism and food intersect, you ask? Simple. We renounce post-meal guilt, embrace our bodies’ needs for fuel and step forward as healthy, nourished women ready to take on the patriarchal paradigm.

Diesem Aufruf schliesse ich mich gerne an. Die Ära der Unausgewogenheit kann beginnen!